Kein Geld mehr

Michael Wagner bekommt weniger Unterstützung bei der Arbeit
Ein Mann schaut mit ernsten Blick nach links. Er steht hinter einer Fensterscheibe und trägt eine Brille.

Geschrieben von

Österreich soll sparen.
Deswegen will die Regierung weniger Geld
für viele wichtige Sachen ausgeben.
Zum Beispiel für die Inklusion bei der Arbeit.

Fach-Leute sagen:
Das ist gegen die Rechte
von Menschen mit Behinderungen.

 

Dieser Text spielt in Österreich.

Michael Wagner ist 29 Jahre alt
und wohnt in Österreich.
Er hat eine Arbeit
bei der Medizinischen Universität Wien.

An der Medizinischen Universität

lernen Ärzt*innen ihren Beruf.

Die Arbeit von Michael Wagner ist:
Er bereitet Räume für Besprechungen vor.

Nach den Besprechungen räumt er wieder auf.

Das macht er 9 Stunden in der Woche.
Er mag seine Arbeit.

Michael Wagner hat Lern-Schwierigkeiten.

Er braucht Unterstützung dabei,
seine Arbeit zu planen.
Zum Beispiel:

Eine Arbeits-Kollegin schreibt
auf einem Zettel genau auf,
welche Aufgaben Michael Wagner machen muss.

Michael Wagner macht dann einen Haken
auf dem Zettel,
wenn er eine Aufgabe gemacht hat.

Ein Verein hat Michael Wagner dabei unterstützt,
den Job bei der Medizinischen Universität zu finden.

Gemeinsam haben sie überlegt:
Was braucht Michael Wagner,
um gut arbeiten zu können?
Solche Unterstützung ist wichtig,
damit Österreich sich
an die UN-Behinderten-Rechts-Konvention hält.
Die UN-Behinderten-Rechts-Konvention ist ein Vertrag

über die Rechte von Menschen mit Behinderungen.

Österreich und viele andere Länder
haben den Vertrag unterschrieben.
In der UN-Behinderten-Rechts-Konvention

steht zum Thema Arbeit:
Menschen mit Behinderungen
haben das Recht auf eine Arbeit,
mit der sie genug Geld zum Leben verdienen.

Michael Wagner verdient noch nicht

genug Geld zum Leben.
Deshalb möchte er mehr Stunden
in der Woche arbeiten

und mehr Geld verdienen.
Der Verein wollte ihn unterstützen,

das zu erreichen.

Aber Michael Wagner bekommt
keine Unterstützung mehr von dem Verein,

weil es nicht mehr genug Geld dafür gibt.

Viele Menschen mit Behinderungen
in Österreich bekommen keine Unterstützung mehr.

Warum ist das so?

Das ist Michael Wagner.

Die Regierung will viel Geld sparen

Die Regierung von Österreich sagt:
Wir müssen Geld sparen.
Auch die Regierungen
von vielen Bundes-Ländern sagen:
Wir müssen Geld sparen.

Bundes-Länder sind Teile von Österreich.

Die Regierungen sparen zum Beispiel Geld

bei der Unterstützung
für Menschen mit Behinderungen.

Die Regierung von Österreich sagt:
Wir müssen sparen,
weil die alte Regierung Fehler gemacht hat.

Die Regierung vom Bundes-Land Wien sagt:

Alles ist viel teurer geworden.
Deshalb können wir nicht mehr alles bezahlen,

was wir bisher bezahlt haben.

In Wien kümmert sich eine Firma um Geld-Hilfe für

  • Menschen, die keine Wohnung haben

  • Menschen, die aus anderen Ländern

    nach Wien geflüchtet sind

  • Menschen mit Behinderungen.
    Die Firma heißt: Fonds Soziales Wien.

Die Firma bekommt dieses Jahr weniger Geld von der Regierung:
Viele Millionen Euro weniger.
Deshalb gibt die Firma jetzt weniger Geld

für Inklusion und Arbeit aus.
Das heißt:
Weniger Geld,
damit Menschen mit und ohne Behinderungen

zusammen arbeiten können.

Die Firma sagt:
Das war keine leichte Entscheidung.
Wegen der Entscheidung
bekommt Michael Wagner
keine Unterstützung mehr bei der Job-Suche.

Selbst-bestimmt leben

Wie geht es Michael Wagner nach den

Spar-Entscheidungen von der Regierung?

Michael Wagner spricht nicht viel.

Aber wenn er etwas sagt,
sagt er klar seine Meinung.
Er sagt:

Ich finde es sehr traurig,
dass die Regierung Geld
bei Unterstützung spart.
Auch Menschen mit Lern-Beeinträchtigung

sollen selbst-ständig arbeiten können.

Sie sollen dafür Unterstützung bekommen.

Für Michael Wagner ist es sehr wichtig,

selbst-ständig zu arbeiten.
Dafür hat er schon viel gemacht.
Er hat früher in einer Werkstatt

für Menschen mit Behinderungen gearbeitet.

Er hat die Arbeit in der Werkstatt aufgehört,

weil er einen Job auf dem ersten Arbeits-Markt haben wollte.

Das heißt:

Einen Job,
bei dem er für die Arbeit gerecht bezahlt wird.

In einer Werkstatt bekommen
Menschen mit Behinderungen nur Taschengeld.

Michael Wagner glaubt:
Politiker*innen denken nicht viel daran,

wie es Menschen mit Behinderungen geht.

Was sagen Fach-Leute?

Wir haben den Unabhängigen Monitoring-Ausschuss gefragt.
Der Unabhängige Monitoring-Ausschuss
ist eine Gruppe von Fach-Leuten.

Die Fach-Leute prüfen:
Beachtet Österreich die Rechte

von Menschen mit Behinderungen?

Die Fach-Leute sagen:
Es ist gegen die Rechte
von Menschen mit Behinderungen,
dass in Österreich so viel
bei der Unterstützung gespart wird.
Es ist gegen die UN-Behinderten-Rechts-Konvention.

Menschen mit Behinderungen leben
noch mehr in Armut,
wenn in Österreich so viel
bei der Unterstützung gespart wird.
Menschen mit Behinderungen
haben sowieso oft sehr wenig Geld.

Die Fach-Leute vom Unabhängigen Monitoring- Ausschuss

erklären noch ein Problem.
Das Problem hat mit den Menschen-Rechten zu tun.

Menschen-Rechte sind Rechte,

die alle Menschen auf der Welt haben sollen.

Die Fach-Leute sagen:
Österreich hat die Menschen-Rechte
vor dem Sparen besser beachtet.

Zum Beispiel die Menschen-Rechte

von Menschen mit Behinderungen.

Es ist verboten,
dass ein Land Menschen-Rechte

plötzlich schlechter beachtet als vorher.

Deshalb ist es nicht in Ordnung,
dass in Österreich so viel
bei der Unterstützung gespart wird.

Wie geht es weiter?

Die Mutter von Michael Wagner
will zusammen mit anderen Eltern erreichen,

dass in Wien nicht
bei der Unterstützung gespart wird.
Die Eltern sprechen bald
mit dem Wiener Gemeinde-Rat.
Der Wiener Gemeinde-Rat

macht Gesetze und Regeln für die Stadt Wien.
Manchmal wird eine Spar-Entscheidung geändert,
wenn viele Menschen sagen:
Wir finden eine Spar-Entscheidung schlecht.

Zum Beispiel: Im Bundes-Land Tirol
hat das schon einmal geklappt.

Michael Wagner möchte weiter
auf dem ersten Arbeits-Markt arbeiten.

Aber es ist nicht sicher,
ob er dafür noch Unterstützung bekommt.

Für Michael Wagner bedeutet das:
Er kann nicht selbst-bestimmt leben.
Er braucht wieder mehr Unterstützung von seiner Mutter.

Geschrieben Von

Sandra Schmidhofer 

In Leichter Sprache von

Constanze Busch

Redaktion

Kristina Kobl

Fotografiert von

Philipp Horak