Schwangere Menschen können viele Untersuchungen machen lassen. Auch um zu sehen, ob ein Kind vielleicht eine Behinderung hat.
Dann kann man manchmal eine Schwangerschaft abbrechen.
Unsere Autorin Sandra Schmidhofer ist Mama und lebt mit Behinderungen. Hier schreibt sie, was sie über diese Untersuchungen denkt.
Als ich schwanger war, bin ich zu einigen Untersuchungen gegangen. Meine Ärztin hat mehrmals in der Schwangerschaft untersucht, ob es meinem Baby und mir gut geht.
Es gibt auch andere, spezielle Untersuchungen. Dabei überprüfen Ärzt*innen, ob das Baby vielleicht Behinderungen hat. Zu diesen Unter- suchungen sagt man auch Prä-Natal-Diagnostik. Das heißt übersetzt: Untersuchungen vor der Geburt. Es gibt zum Beispiel Untersuchungen auf Trisomie 21. Viele sagen auch Down-Syndrom dazu. Es wird auch
auf andere Behinderungen und Krankheiten getestet.
Mir haben die Ärzt*innen damals gesagt: Ich muss mir keine Sorgen machen. Ich bin noch jung. Ich be- komme bestimmt kein behindertes Kind. Auch Menschen in meinem Umfeld haben oft gesagt: „Hauptsache, das Baby ist gesund.“ Es fühlte sich an, als würden sie sich über ein behindertes Kind nicht freuen. Das war für mich schlimm. Denn ich selbst habe Behinderungen.
Manche Eltern haben Angst, dass ihr Kind behindert sein könnte.
Manche denken sogar: Es ist ungerecht, behinderte Kinder auf die Welt zu bringen. Weil man doch weiß, dass sie es im Leben schwer haben werden. Aber das Leben mit Behinderungen ist vor allem deswegen schwer, weil es zu wenig Barriere-Freiheit und zu wenig Unterstützung gibt. Das könnten Politiker*innen ändern. Sie könnten dafür sorgen, dass Menschen mit und ohne Behinderungen die gleichen Möglichkeiten haben. Aber das passiert nicht. Deswegen beenden manche Menschen eine Schwangerschaft, wenn das Baby vielleicht Behinderungen hat.
Ich finde es sehr wichtig, dass alle selbst entscheiden dürfen, ob sie schwanger sein wollen oder nicht. Aber es macht mir Angst, dass Abbrüche wegen Behinderungen für manche ganz „normal“ sind.
Kinder mit Behinderungen bekommen oder nicht
In Österreich sind Schwangerschafts-Abbrüche verboten. Aber bei bestimmten Gründen wird man nicht bestraft. Zum Beispiel, wenn man die Schwangerschaft in den ersten 3 Monaten beendet. Oder wenn eine „ernste Gefahr“ besteht, dass das Kind „geistig oder körperlich schwer geschädigt“ sein wird. Zum Beispiel durch eine schwere Behinderung. In Deutschland gibt es diese Ausnahme im Gesetz nicht.
Aber Schwangerschafts-Abbrüche werden nicht bestraft, wenn es eine Gefahr für die körperliche oder psychische Gesundheit der Mutter gibt. Und Ärzt*innen können sagen: Ein Kind mit Behinderungen zu haben, ist eine Gefahr für die psychische Gesundheit der Mutter. Aktivist*innen sagen: Es ist behinderten-feindlich, eine Schwangerschaft nur wegen einer möglichen Behinderung zu beenden.
Es gibt noch ein Problem: Wenn sich Menschen eine Welt ohne Behinderungen wünschen, erinnert das an den National-Sozialismus. Vor fast 100 Jahren haben die National-Sozialist*innen laut Schätzungen 300 Tausend Menschen mit Behinderungen ermordet und 400 Tausend Menschen gegen ihren Willen sterilisiert. Sterilisiert werden heißt: Man kann keine Kinder mehr bekommen. Das Ziel war: Es sollte keine Menschen mit Behinderungen mehr geben.
Pränatal-Diagnostik kann dazu führen, dass es weniger Kinder mit Behinderungen gibt. Mehrere Studien zeigen: Ein großer Teil der Eltern entscheidet sich für einen Abbruch, wenn ihr Baby wahr-scheinlich das Down-Syndrom hat. Eine Studie sagt: Zwischen 2011 und 2015 sind in Europa deswegen jedes Jahr geschätzt nur halb so viele Menschen mit Down-Syndrom geboren worden, wie wenn es diese Abbrüche nicht geben würde.
Das Kind mit Behinderungen
ist nicht das Problem
Wahrscheinlich denken manche, sie meinen es nur gut. Sie wollen nur, dass weniger Menschen leiden müssen. Ich glaube aber: Eigentlich wollen sie sich einfach nicht damit beschäftigen, wie die Welt für Menschen mit Behinderungen zugänglicher werden kann.
Eine Welt ohne behinderte Menschen ist nicht möglich. Die meisten Behinderungen treten erst im Laufe des Lebens auf. Und Menschen mit Behinderungen haben nicht automatisch ein schlechtes Leben.
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