Wir müssen wieder spielen

  1. Aus dem Bauch heraus: Wir müssen wieder spielen
  2. Aus der Welt: Proteste für Barriere-Freiheit
Lisa-Marie hat braune schulterlange Haare. Sie trägt ein weißes T-Shirt und schaut mit freundlichen Blick in die Kamera.

Heute mit

Diese Woche schreibt Dir Lisa-Marie Lehner, Autorin bei andererseits. Sie schreibt und zeichnet für andererseits.

1. Aus dem Bauch heraus

Wir müssen wieder spielen

LISA-MARIE FINDET: WIR MÜSSEN NICHT MEHR LEISTEN,

SONDERN ÖFTER PAUSE MACHEN

Viele Jahre habe ich gedacht: Ich bin nur wertvoll, wenn ich gut hören kann. Denn in meinem Alltag wird viel mit der Stimme gesprochen. Wer teilhaben möchte, muss hören, sprechen und antworten können.

Das ist anstrengend für den Körper und den Kopf, weil ich mich immer konzentrieren muss. Aber ich habe lange gedacht: Ich muss mich anstrengen. Ich muss immer funktionieren.

Heute weiß ich: Das stimmt nicht. Ich brauche Pausen. Die Pausen nenne ich: hörfrei. Ich lege meine Hör-Geräte ab und alles wird stiller. Ich male. Manchmal fahre ich mit dem Finger die Linien auf dem Fußboden nach. Genau das habe ich als Kind gerne gemacht: Ich habe gespielt.

Ich finde: Spielen ist auch für Erwachsene wichtig. Wenn ich Pause mache, muss ich nichts leisten. Danach kann ich mich wieder besser konzentrieren. Das hilft mir auch beim Hören.

Kennst Du dieses Gefühl auch? Schreib uns an [email protected] 

2. Aus der welt

Proteste für Barriere-Freiheit

MENSCHEN MIT BEHINDERUNGEN DEMONSTRIEREN WEITER GEGEN DAS NEUE BEHINDERTEN-GLEICHSTELLUNGS-GESETZ

Diese Woche geht es um das Land Deutschland.

Die Regierung will das Behinderten-Gleichstellungs-Gesetz (BGG) ändern. Dadurch sollen zum Beispiel Cafés oder Geschäfte barriere-frei werden. Doch Fachleute sagen: Es gibt zu viele Ausnahmen. Firmen müssen oft nur etwas ändern, wenn es fast nichts kostet. Viele Menschen haben deswegen protestiert.

Am 22. Juni gab es eine Anhörung zum neuen Gesetz. Eine Anhörung ist ein Gespräch mit einer Behörde. Dabei darf eine Person ihre Meinung sagen. Erst danach wird eine Entscheidung getroffen.

Das Ziel der Anhörung war, dass Politiker*innen sich die Meinung von Expert*innen zum Gesetz anhören. Aber der Raum war nicht für alle zugänglich. Zwei Rollstuhl-Nutzerinnen durften nicht in den Saal. Die Begründung: Es darf wegen einer Regel für den Brand-Schutz nur eine Person mit Rollstuhl im Saal sein.

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