Ich bin nicht schuld

Tania Wenisch hat viele Behandlungen ausprobiert, damit Menschen ihr glauben

Geschrieben von

Tania Wenisch lebt mit
einer unsichtbaren Behinderung.

Sie hat immer starke Schmerzen.

Ärzt*innen haben das oft
nicht geglaubt.
Deswegen hat Tania Wenisch

nicht-medizinische Behandlungen ausprobiert.
Die Behandlungen haben
nicht geholfen.
Aber Tania Wenisch dachte:
Ich muss alles versuchen.
Sonst sagen manche Menschen:

Ich bin selbst schuld.

 

Dieser Text spielt in Deutschland. 

Tania Wenisch ist 40 Jahre alt und lebt in München.

Seit 11 Jahren hat Tania Wenisch
die Krankheit chronische Migräne.
Menschen mit chronischer Migräne haben

oft starke Kopf-Schmerzen.
Oft ist ihnen auch übel oder schwindelig.

Oder sie können Licht nicht ertragen.
Tania Wenisch muss an manchen Tagen lange im Dunkeln liegen.
An den Tagen helfen oft Medikamente.
An anderen Tagen fühlt sich die Migräne für Tania Wenisch an,
als ob jemand ein Messer in ihr Auge sticht.

Dann hat sie keine Kraft,
zu stehen oder zu sprechen.
Manchmal will sie sogar sterben,
weil sie keine Schmerzen mehr haben will.

An diesen Tagen helfen keine Medikamente gegen die Migräne.

Unsichtbar behindert

Migräne-Schmerzen kommen von
einer Entzündung am Gehirn.
In Deutschland leben ungefähr
1,5 Millionen Menschen mit chronischer Migräne.

Chronische Migräne heißt:

Menschen haben mindestens 15 Tage im Monat schlimme Schmerzen.

Tania Wenisch sagt:
Ich habe jeden Tag Schmerzen.

Aber Menschen haben mir das oft nicht geglaubt.

Das liegt daran:
Chronische Migräne ist eine
unsichtbare Behinderung.

Auch viele Ärzt*innen kennen sich mit Migräne schlecht aus.
Das ist eine große Barriere für
Menschen mit Migräne.

Teure Tipps

Menschen mit unsichtbaren Behinderungen

oder Krankheiten bekommen oft zu wenig Hilfe von Ärzt*innen.
Stattdessen bekommen sie oft Tipps

von anderen Menschen.

Zum Beispiel:
– Kräuter kaufen,

   die gegen die Krankheit helfen sollen
– Weniger Stress haben
– Keine Probleme in der Liebes-Beziehung haben.

Oft gibt es auch Tipps für teure Behandlungen.

Die Behandlungen helfen nicht.
Aber andere Menschen verdienen viel Geld damit.

Tania Wenisch hat viel ausprobiert,
das ihre Migräne heilen sollte.
Eine nahe Person hat zum Beispiel geglaubt:

Tania Wenisch hat Kopf-Schmerzen,
weil früher jemand aus ihrer Familie
einen Auto-Unfall hatte.

Die Person hat gesagt:
Die Schmerzen kommen von Geistern,
die wegen dem Unfall in Tania Wenisch wohnen.

Das stimmt nicht.
Aber wegen der Aussage ist Tania Wenisch 2016

zu einer Frau gegangen,
die sich selbst Hexe genannt hat.
Die Frau hat gesagt:
Ich kann die Geister von dem Auto-Unfall verjagen.

Dann hast Du keine Kopf-Schmerzen mehr.

Tania Wenisch hat Ja zu der Geister-Behandlung gesagt.
Sie hat gar nicht an die Geister geglaubt.
Aber andere Menschen haben Tania Wenisch das Gefühl gegeben:

Sie muss alles versuchen.
Sonst ist sie selbst schuld an ihrer Krankheit.

Aber Tania Wenisch ist nicht selbst schuld an ihrer Krankheit.

Falsche Schuld

Wir haben mit der Fach-Frau Pia Lamberty

über solche Behandlungen gesprochen.

Pia Lamberty ist Sozial-Psychologin.
Das heißt:

Sie kennt sich gut mit dem Verhalten
von Menschen aus.
Pia Lamberty sagt:
Menschen wird oft die Schuld gegeben,

wenn eine Behandlung nicht funktioniert.

Andere Menschen sagen dann:
Du hast nicht richtig an die Behandlung geglaubt.

Du hast nicht genug Geld ausgegeben.
Dabei helfen manche Behandlungen gar nicht gegen Krankheiten.
Menschen wird die Schuld gegeben,
obwohl sie nicht schuld sind.

Aufklärung auf Instagram

Tania Wenisch erzählt:
Auch Ärzt*innen haben mir meine Schmerzen oft nicht geglaubt.
Aber jetzt habe ich einen Schwer-Behinderten-Ausweis.
Das hat mir geholfen, zu verstehen:
Die Migräne ist eine Behinderung
und schränkt mich sehr ein.
Auch wenn andere das nicht glauben.

Tania Wenisch möchte jetzt anderen
Menschen mit Migräne helfen.
Sie klärt auf Instagram über die Krankheit auf.
Sie wünscht sich:
Menschen sollen weniger Tipps geben.
Sie sollen einfach zuhören und glauben,
wenn Menschen von ihren Schmerzen erzählen.

Hinweis: Tania Wenisch arbeitet als Behinderten-Sprecherin für die Partei DIE LINKE im Bezirk Pasing-Obermenzing in München.

Geschrieben Von

Lisa Kreutzer

In leichter Sprache von

Constanze Busch

Fotografiert von

Sophie Wanninger

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