Warum mir meine Periode so wichtig ist

Leonie Schüler schreibt darüber, wie ihre Periode mit ihrer Behinderung zusammenhängt
Eine junge Frau in einem pinken Top schaut in die Kamera. Sie sitzt in einem Rollstuhl.

Geschrieben von

Unsere Autorin Leonie Schüler hat während ihrer Periode starke Schmerzen. Trotzdem mag sie es, ihre Periode zu haben. Denn ihre Periode zeigt Leonie Schüler jeden Monat: Ihr Körper ist mehr als seine Behinderung.

Einmal im Monat habe ich starke Schmerzen. Ich spüre, wie sich mein ganzer Bauch zusammenzieht. Die Schmerzen gehen bis in den Rücken und ich fühle mich schlapp. Ich habe meine Periode. Wegen meiner Behinderung brauche ich Hilfe beim Wechseln der Binden. Manchmal legen die Pfleger*innen sie nicht richtig ein und ich blute auf meine Hose. Meine Periode zu haben ist anstrengend. Eigentlich müsste ich mir also wünschen, dass ich keine Periode habe. Aber das ist nicht so. Meine Periode bedeutet für mich viel mehr als nur Schmerzen und Anstrengung. Sie erinnert mich jeden Monat daran, dass mein Körper lebt. Dass er fühlen kann. Und dass ich mehr bin als meine Beeinträchtigung.

15 Jahre ohne Periode

Als Jugendliche hatte ich während meiner Periode so starke Schmerzen, dass ich mich kaum bewegen konnte. Deshalb habe ich fast 15 Jahre lang die Pille genommen. Nicht zur Verhütung. Ich wollte einfach funktionieren. Ich habe die Pille durchgehend genommen, ohne Pause. Dadurch habe ich meine Periode gar nicht mehr bekommen. Ich hatte trotzdem jeden Monat Schmerzen, aber weniger starke. Lange Zeit war mein Körper für mich vor allem ein Körper, der gepflegt werden muss. Ein Körper mit einer Beeinträchtigung und erhöhter Muskel-Spannung.

Als ich die Pille nicht mehr nahm und wieder meine Periode bekam, änderte sich alles. Meine Stimmung wurde viel besser. Und ich hatte zum ersten Mal Sex. Viele Frauen nehmen die Pille, weil sie Sex haben. Ich hatte erst dann Lust auf Sex, als ich die Pille nicht mehr genommen habe.

Seit ich die Pille nicht mehr nehme, spüre ich meinen Körper viel mehr als vorher. Und ich sehe meinen Körper ganz anders an als früher. Ich weiß jetzt: Mein Körper kann Nähe zulassen und dabei entspannen. Er kann Lust empfinden.

Mein Körper kann so viel

Meine Periode bedeutet für mich auch: Ich spüre meinen monatlichen Zyklus. So nennt man den Prozess im Körper einer Frau, der auf eine Schwangerschaft vorbereitet. Ich möchte zwar nicht schwanger werden. Trotzdem beeindruckt mich, was mein Körper jeden Monat leistet. Er bereitet sich auf eine mögliche Schwangerschaft vor. Davor habe ich großen Respekt. Mein Körper kann so viel. Und er erinnert mich jedes Mal daran, wenn er blutet.

Inzwischen höre ich mehr auf meinen Zyklus. Ich spüre meinen

Eisprung durch Schmerzen. Und die Schmerzen machen mir fast nichts aus. Ich habe in der Woche vor meiner Periode Lust auf ungesundes Essen und Süßigkeiten. Es gibt Tage, an denen ich mehr bei mir selbst bin. Das heißt: Ich nehme meine Gefühle bewusster wahr. Manchmal verstehe ich erst dann, warum mich etwas beschäftigt oder warum ich über eine Begegnung mit einem Menschen nachdenke.

Auch meine sexuelle Lust verändert sich im Laufe des Zyklus. Kurz bevor meine Periode beginnt, spüre ich sie besonders deutlich. In dieser Zeit merke ich mehr als sonst, dass mir Sex und Nähe fehlen. Früher hat mich das oft traurig gemacht. Heute kann ich besser verstehen, dass auch diese Gefühle Teil meines Zyklus sind.

Durch meine Periode fühle
ich mich weiblich

Vielleicht bedeutet Weiblichkeit für mich genau das: Dass ich mit meinem Körper lebe, und nicht gegen ihn. Ich will meinen Körper nicht mehr mit Hormonen verändern.

Sondern hinhören, wenn er mir etwas zeigt. Auch wenn das heißt: Ich habe mehrere Tage im Monat starke Schmerzen, fühle mich oft schwach und müde und blute manchmal auf meine Hose.

Manchmal bitte ich meine Assistenz, dass sie mir die Binde beim Wechseln zeigt. So weiß ich: Ich habe meine Periode. Ich kann selbst sehen, was in meinem Körper passiert. Das gibt mir ein Gefühl von Kontrolle über meinen Körper. Denn als Frau mit Behinderungen sehe ich das oft nicht.

Für mich gehört das alles zusammen: Meine Periode, mein Zyklus, meine Weiblichkeit, meine Sexualität und das Gefühl, Kontrolle über meinen eigenen Körper zu haben. Meine Periode tut immer noch weh. Sie macht meinen Alltag schwerer. Und trotzdem wünsche ich sie mir jeden Monat wieder. Weil sie mich daran erinnert, dass mein Körper viel mehr ist als eine Diagnose. Die Periode ist das, was ganz viele Frauen vereint. Egal, ob mit oder ohne Behinderung.

Geschrieben Von

Leonie Schüler 

In einfacher Sprache von

Kristina Kobl

Fotografiert von

Franziska Lange, Marie Häfner

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