In dem Film geht es darum:
In Deutschland und Österreich werden Menschen
mit Behinderungen operiert,
damit sie keine Kinder zeugen können.
So eine Operation heißt Sterilisation.
Viele Menschen mit Behinderungen
haben nicht selbst-bestimmt über die Sterilisation entschieden.
Wir haben viel über Barrieren und Probleme herausgefunden.
Wir erklären die 6 großen Probleme.
Das ist wichtig
Im Text geht es um sehr schlimme Dinge,
die Menschen mit Behinderungen passiert sind.
Vielleicht fühlst Du Dich schlecht,
wenn Du darüber liest.
Bitte überlege gut,
wann und ob Du den Text lesen möchtest.
1. Operationen ohne echte Einwilligung
In Deutschland und Österreich gibt es Gesetze.
Diese Gesetze sollen Menschen davor schützen, sterilisiert zu werden.
Ohne dass sie das frei und unbeeinflusst entschieden haben.
Aber es passiert trotzdem.
Befragungen zeigen:
Viele Menschen mit Behinderungen
haben nicht frei und unbeeinflusst über die Sterilisation entschieden.
Aber sie wurden trotzdem sterilisiert.
In Deutschland und Österreich wurden Menschen mit
Behinderungen in Wohn-Heimen gefragt:
Sind Sie sterilisiert?
Haben Sie das selbst-bestimmt entschieden?
Das sind die Antworten:
- In Deutschland sagen 11 Prozent der befragten Frauen mit Behinderungen in Wohn-Heimen: Ich bin sterilisiert.
Weniger als die Hälfte der Frauen sagt:
Ich habe das selbst-bestimmt entschieden.
Die Befragung wurde 2024 vom deutschen Sozial-Ministerium gemacht. - In Österreich sagen 17 Prozent der Frauen mit Behinderungen in Einrichtungen: Ich bin sterilisiert.
Mehr als 80 Prozent der Menschen sagen:
Ich habe das nicht selbst-bestimmt entschieden.
Die Befragung wurde 2019 vom österreichischen Gesundheits-Ministerium gemacht.
2. Es gibt zu wenige Infos in Leichter oder Einfacher Sprache
In Österreich und Deutschland brauchen
über 10 Millionen Menschen Einfache und Leichte Sprache.
Damit sie alles gut verstehen können.
Viele Menschen mit Behinderungen werden nicht gut genug aufgeklärt.
Sie bekommen nicht genug Infos über
- Sex und Verhütung.
Verhütung heißt:
So zeugt man beim Sex kein Kind.
So wird man beim Sex nicht krank. - Schutz vor Gewalt.
- die Sterilisation und was dabei genau passiert.
Wenn es zu wenige Infos gibt,
können Menschen sich nicht selbst-bestimmt entscheiden.
3. Ärzt*innen kennen die Gesetze nicht gut genug
Vor einer Sterilisation müssen Ärzt*innen entscheiden:
Versteht die Person, was bei der Operation passiert?
Kann sie selbst-bestimmt Ja sagen?
Wenn die Ärzt*innen sagen: Die Person kann das nicht, dann muss ein Gericht zur Sterilisation Ja sagen. Das steht im Gesetz.
Im Gesetz steht auch:
Eine Sterilisation ist dann nur erlaubt,
- wenn Verhütung für die Gesundheit unbedingt nötig ist
- und die Person so Sex hat, dass sie davon schwanger werden kann
- und wenn kein anderes Verhütungs-Mittel möglich ist.
Manche Menschen mit Behinderungen haben Personen,
die sie bei wichtigen Dingen unterstützen sollen.
Zum Beispiel bei Geld-Sachen
und bei Entscheidungen über Behandlungen von Ärzt*innen.
Solche Personen heißen in Deutschland: rechtliche Betreuer*innen.
In Österreich heißen sie: Erwachsenen-Vertreter*innen.
Viele Ärzt*innen glauben:
Rechtliche Betreuer*innen und Erwachsenen-Vertreter*innen
dürfen für Menschen mit Behinderungen immer entscheiden.
Aber das ist falsch.
Rechtliche Betreuer*innen und Erwachsenen-Vertreter*innen
dürfen zum Beispiel über eine Sterilisation nicht allein entscheiden.
Trotzdem werden immer noch Sterilisationen
ohne Zustimmung von einem Gericht gemacht,
weil Ärzt*innen die Regeln nicht kennen.
4. Menschen mit Behinderungen bekommen ein Verhütungs-Mittel, das gefährlich sein kann
Es gibt verschiedene Verhütungs-Mittel,
damit Frauen beim Sex nicht schwanger werden.
Ein Verhütungs-Mittel ist die Drei-Monats-Spritze.
Sie funktioniert so:
- Eine Frau bekommt eine Spritze.
- Dann hat sie für 3 Monate einen Schutz vor Schwangerschaft.
- Dann braucht sie wieder eine neue Spritze für 3 Monate.
Die Spritze kann aber gefährliche Neben-Wirkungen haben.
Neben-Wirkungen heißt:
Die Spritze wirkt nicht nur gegen Schwangerschaft.
Sondern sie hat auch andere Wirkungen auf den Körper,
die gefährlich sein können.
Die Spritze kann vor allem gefährlich sein,
wenn Frauen sie viele Monate oder Jahre bekommen.
Deswegen benutzen Frauen ohne Behinderungen die Spritze nur selten.
Aber Frauen mit Behinderungen
in Wohn-Heimen bekommen die Spritze oft.
Oft wissen Frauen mit Behinderungen nicht genau,
dass die Spritze gefährlich sein kann.
Oft entscheiden andere Menschen,
dass Frauen mit Behinderungen die Spritze bekommen sollen.
5. Menschen wollen oft nicht, dass Menschen mit Behinderungen Kinder bekommen
In Österreich und Deutschland gab es vor über 80 Jahren
schlimme Gewalt gegen Menschen mit Behinderungen.
Damals waren die Nazis die Regierung in Österreich und Deutschland.
Nazis glauben:
Manche Menschen sind weniger wert als andere.
Zum Beispiel Menschen mit Behinderungen.
Die Nazis haben mehr als 300 Tausend Menschen
mit Behinderungen ermordet.
Die Nazis wollten auch nicht,
dass Menschen mit Behinderungen Kinder bekommen.
Deshalb wurden fast 400 Tausend
Menschen mit Behinderungen zwangs-sterilisiert.
Zwangs-sterilisiert heißt:
Die Menschen wurden gegen ihren Willen operiert,
damit sie nicht mehr schwanger werden können.
Nach der Nazi-Zeit wurde aber kaum darüber gesprochen,
was Menschen mit Behinderungen passiert ist.
Deswegen haben viele Leute dieses Unrecht einfach vergessen.
Viele Menschen glauben auch heute noch,
dass Menschen mit Behinderungen keine Kinder bekommen sollen.
6. Es gibt zu wenig Angebote für Menschen mit Behinderungen, die Eltern-Sein möglich machen
Es gibt zu wenig Unterstützung für Eltern mit Behinderungen.
Viele Eltern mit Behinderungen wollen selbst entscheiden,
wie sie mit ihren Kindern leben. Dafür brauchen sie Unterstützung.
Das fehlt zum Beispiel:
- Wohn-Plätze, in denen Eltern mit ihren Kindern zusammen wohnen können.
Dort bekommen sie Hilfe im Alltag. - Es fehlt an verständlichen Informationen, welche Art von Unterstützung es gibt.
Eine Unterstützung ist zum Beispiel die Eltern-Assistenz. Die Hilfe unterstützt die Eltern im Alltag mit ihrem Kind,
zum Beispiel bei der Pflege.
Eine andere Unterstützung ist Begleitete Eltern-Schaft.
Begleitete Elternschaft ist ein Angebot für Eltern mit Lernschwierigkeiten oder psychischen Behinderungen. Die Eltern bekommen zum Beispiel Unterstützung bei der Erziehung ihres Kindes.
Geschrieben von
Ramona Arzberger
Und von
Luise Jäger
Redaktion
Lisa Kreutzer
Leichte Sprache
Constanze Busch