Keine Ruhe

Unser Autor macht sich Sorgen um den Iran
Eine Person schaut mit ernsten Blick nach links. Sie trägt eine Mütze und eine schwarze Jacke. Im Hitnergrund sind mehrere Häuser und Berge zu sehen.

Geschrieben von

Im Iran gibt es viel Gewalt.

Das Leben dort ist nicht sicher.

Unser Autor musste
seine Heimat Iran verlassen.
Er lebt jetzt in Österreich
und ist in Sicherheit.
Aber er findet keine Ruhe,
weil er sich Sorgen
um seine Familie im Iran macht.

Wie fühlt sich das an?

Immer am Abend kommen die Sorgen wieder. Ich sitze in meiner Wohnung in Wien und schaue aus dem Fenster. Alles ist still und ruhig. Aber dann greife ich zum Handy und meine Ruhe ist weg. Oft sehe ich Nachrichten aus dem Iran. Ich sehe die Gewalt, die dort passiert. Besonders schlimm ist es, wenn ich nichts von meiner Familie höre. Ich weiß nicht, wie es meiner Mutter, meinem Vater und meinen Freund*innen geht. Ich weiß nicht, ob sie sicher sind. Es ist schwer für mich, das auszuhalten.

Ich schreibe diesen Text am Anfang des Jahres 2026. Sehr viele Menschen im Iran protestieren gegen die Regierung, zum Beispiel weil es der Wirtschaft schlecht geht und alles sehr teuer ist. Viele Menschen können sich wichtige Sachen nicht mehr kaufen. Außer-dem sagen viele Menschen: Wir wollen die Regierung nicht mehr, weil sie uns unterdrückt. Soldat*innen schlagen die Proteste mit viel Gewalt nieder, im Auftrag der Regierung. Tausende Menschen wurden schon getötet.

Kein sicheres Leben

Ich mache mir schon seit Jahren Sorgen. Ich bin vor 5 Jahren nach Österreich gekommen. Es war für mich nicht mehr möglich, im Iran sicher und menschen-würdig zu leben. Man kann nicht frei seine Meinung sagen. Und ich hatte dort als Mensch mit Behinderungen erst recht kaum Möglichkeiten, selbst-bestimmt zu leben. Für mich als klein-wüchsiger Mensch war auch die medizinische Versorgung im Iran schlecht. Eine Rückkehr wäre gefährlich für mich. Aber die Menschen, die ich liebe, sind im Iran auch nicht sicher. Deshalb fühlt es sich falsch an, dass ich in Sicherheit bin. Ich fühle mich schuldig.

Anfang Januar lebten mehr als 11 Tausend Iraner*innen wie ich in Wien. Viele von uns denken mit großer Sorge und Angst an unser Heimat-Land. Ghazaleh Djananpour ist Psychologin. Sie kommt aus dem Iran und arbeitet in Wien. Sie sagt: Viele Iraner*innen in anderen Ländern haben Schuld-Gefühle. Das ist normal, weil Menschen Mit- Gefühl haben. Aber ich kann hier in Wien nicht beeinflussen, was im Iran passiert.

Was kann ich machen, damit es mir besser geht? Ghazaleh Djananpour sagt: Ich soll viel an die Dinge denken, die ich beeinflussen kann. Zum Beispiel: Ich gehe in Wien zu Demonstrationen. Ich bin laut für die Menschen, die im Iran nicht laut sein dürfen. Ich spreche mit Menschen. Das fühlt sich oft nach wenig an. Aber es ist das, was ich tun kann.

Was ich mir wünsche

Mein Traum ist, meine Eltern wieder in die Arme zu nehmen. Aber es ist sehr unwahrscheinlich, dass sie nach Österreich kommen können. Vergangenes Jahr hat die österreichische Regierung den Familien- Nachzug gestoppt. Die Regierung sagt: Die Sicherheit im Land ist in Gefahr, wenn noch mehr Menschen nach Österreich kommen. Bis mindestens 2. Juli können deshalb keine Familien mehr nach Österreich nachkommen.

Für mich war das ein harter Schlag. Ich wünsche mir, dass meine Familie bei mir in Wien lebt. Und dass wir vielleicht irgendwann gemeinsam im Iran leben, wenn es wieder sicher ist.

Geschrieben Von

Arad Aramimoghaddam

In Einfacher Sprache von

Constanze Busch

Unterstützt von

Lisa Kreutzer

Fotos von

Mehrshad Lofti Kia

Redaktion

Kristina Kobl