„Entscheiden kann man lernen“

Gespräch mit einer Forscherin über gute Beratung und Kinder-Wunsch
Eine Frau mit kurzen blonden Haaren schaut mit ernsten Blick in die Kamera. Sie sitzt auf einem roten Stuhl und trägt schwarze Kleidung. Im Hintergrund steht ein Bücherregal.

Geschrieben von

Julia Zinsmeister ist Juristin.
Das heißt: Sie kennt sich gut
mit Gesetzen aus.
Sie forscht zu den Rechten
von Menschen mit Behinderungen.

Zum Beispiel: Zu dem Recht

von Menschen mit Behinderungen,

Kinder zu bekommen.
Wir haben mit ihr
über dieses Recht gesprochen.

Und darüber,

wie Menschen sich gut

für oder gegen ein Kind entscheiden können.

Eine Frau mit kurzen blonden Haaren schaut mit ernsten Blick in die Kamera. Sie sitzt auf einem roten Stuhl und trägt schwarze Kleidung. Im Hintergrund steht ein Bücherregal.
Das ist Julia Zinsmeister.
Eine Frau mit braunen, hochgebundenen Haaren schaut mit freundlichen Blick in die Kamera.

Ramona Arzberger:
Alle Menschen dürfen entscheiden,

ob sie Kinder bekommen wollen.

Aber manche Menschen sagen:

Menschen mit Behinderungen können das nicht selbst entscheiden.

Warum ist das so?

Eine Frau mit blonden kurzen Haaren, schaut mit ernsten Blick in die Kamera.

Julia Zinsmeister:
Viele Menschen denken:

Behinderte Menschen bekommen auch behinderte Kinder.
Und es ist besser,
wenn keine behinderten Kinder geboren werden.

Aber das ist beides falsch
und sehr behinderten-feindlich.

 

Außerdem glauben viele Menschen: Menschen mit Lern-Schwierigkeiten
verstehen manche Dinge

nicht so leicht.

Deswegen können sie nicht

so gute Eltern sein.

Aber das ist auch falsch.

Gute Eltern verstehen,
wie ihre Kinder sich fühlen.
Das können alle Menschen lernen.

Eine Frau schaut mit ernsten Blick in die Kamera. Sie hat braune kurze Locken.

Chiara Joos:
Was brauchen Menschen,
um sich für oder gegen Kinder zu entscheiden?

Eine Frau mit blonden kurzen Haaren, schaut mit ernsten Blick in die Kamera.

Menschen brauchen Infos.
Manche Menschen brauchen Infos
in Leichter Sprache.
Oft sind Infos über Sex,
Schwangerschaft und Kinder nicht
in Leichter Sprache.
Menschen mit Lern-Schwierigkeiten bekommen Infos

dann nur von Berater*innen.
Deswegen haben

Berater*innen viel Macht.

Eine Frau mit braunen, hochgebundenen Haaren schaut mit freundlichen Blick in die Kamera.

Was sollen Berater*innen beachten, wenn Menschen mit Behinderungen ein Kind bekommen möchten?

Eine Frau mit blonden kurzen Haaren, schaut mit ernsten Blick in die Kamera.

Berater*innen dürfen Menschen
nicht drängen,
sich für oder gegen Kinder zu entscheiden.

 

Zum Beispiel:
Berater*innen sagen
Menschen mit Behinderungen oft,
dass ein Kind sehr anstrengend ist. Aber die Berater*innen sagen Menschen mit Behinderungen

oft nicht:

Es ist sehr schön,
ein Kind beim Großwerden zu begleiten

Eine Frau mit braunen, hochgebundenen Haaren schaut mit freundlichen Blick in die Kamera.

Wenn jemand keine Kinder will,
kann man eine Sterilisation machen. Eine Sterilisation ist eine Operation. Nach der Operation können Menschen keine Kinder mehr zeugen.

 

Frauen mit Behinderungen werden
besonders oft sterilisiert.
Sie entscheiden sich nicht immer selbst-bestimmt für diese Operation.
Es gibt im Gesetz

Regeln für Sterilisation.
Können Sie die Regeln erklären?

Eine Frau mit blonden kurzen Haaren, schaut mit ernsten Blick in die Kamera.

Im Gesetz steht:
Eine Sterilisation darf

nur gemacht werden,

wenn sich die Person dafür entscheidet.
Früher dachte man,
Menschen mit Lern-Schwierigkeiten
können das nicht selbst entscheiden.
Aber Entscheiden kann man lernen.
Manchmal sagt ein Gericht:
Eine Person kann das

nicht selbst entscheiden.

 

Dann schickt das Gericht Sterilisations-Betreuer*innen.
Sie sollen prüfen,
ob die Person

eine Sterilisation möchte.

Eine Frau schaut mit ernsten Blick in die Kamera. Sie hat braune kurze Locken.

Warum ist das wichtig?

Eine Frau mit blonden kurzen Haaren, schaut mit ernsten Blick in die Kamera.

Vielleicht bekommen Menschen mit Behinderungen sonst Unterstützung von ihren Eltern.

 

Aber die Eltern haben manchmal eine eigene Meinung darüber,
ob ihre Kinder mit Behinderungen selbst Kinder bekommen sollen. Vielleicht denken die Eltern:

Wir möchten uns nicht um Enkel-Kinder kümmern.

Dann überreden sie ihre Kinder vielleicht dazu,

eine Sterilisation zu machen.

 

Aber Menschen mit Behinderungen
haben das Recht,
sich selbst für oder

gegen Kinder zu entscheiden.

Eine Frau schaut mit ernsten Blick in die Kamera. Sie hat braune kurze Locken.

Wie kann es besser werden?

Eine Frau mit blonden kurzen Haaren, schaut mit ernsten Blick in die Kamera.

Die Gesellschaft muss
Menschen mit Behinderungen zutrauen,

dass sie gute Eltern sein können.

 

Viele Menschen denken unterschiedlich über Frauen mit und ohne Behinderungen.

Viele Menschen glauben:

Nicht-behinderte Frauen

können immer gute Mütter sein.

Und nicht-behinderte Frauen sollen Kinder bekommen.

 

Aber viele Menschen glauben:
Behinderte Frauen können wahrscheinlich
keine guten Mütter sein.
Und viele Menschen denken

gar nicht darüber nach,

ob Männer gute Väter sein können.

 

Aber man sollte keinen Unterschied machen zwischen

Frauen und Männern.
Und keinen Unterschied zwischen Menschen mit und ohne Behinderungen. 

 

Eltern mit Behinderungen müssen Unterstützung bekommen,
wenn sie Unterstützung brauchen.
Auch Eltern ohne Behinderungen
brauchen und bekommen oft Unterstützung.

Fragen von 

Chiara Joos

und von

Ramona Arzberger

Fotografiert von

Marie Zahir

In Leichter Sprache von

Constanze Busch

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