Die meisten Behinderungen
entstehen erst im Lauf des Lebens.
Viele entstehen durch Kriege.
Das sieht man gerade zum Beispiel
im Land Ukraine.
Dort ist seit mehr als 4 Jahren Krieg.
Wie geht es Menschen
in der Ukraine,
die seit dem Krieg
mit Behinderungen leben?
Das ist wichtig: Im Text geht es um sehr schlimme Dinge, die Menschen im Krieg passiert sind. Vielleicht fühlst Du Dich schlecht, wenn Du darüber liest. Bitte überlege gut, ob und wann Du den Text lesen möchtest.
Die Situation in der Ukraine
2014 hat das Land Russland einen Teil
vom Land Ukraine angegriffen.
Seit Februar 2022 führt Russland Krieg
gegen die ganze Ukraine.
Jeden Tag sterben in der Ukraine Menschen.
Es sterben auch Menschen,
die keine Soldaten sind.
Ungefähr 300 Tausend Menschen wurden in dem Krieg
schon sehr schwer verletzt.
Sie leben seither mit Behinderungen.
Sie haben zum Beispiel Füße oder Arme verloren.
Manche Menschen sind blind geworden.
Manche können nicht mehr so gut hören.
Viele Menschen leiden auch psychisch unter dem Krieg.
Psychisch heißt: Es geht um die Gedanken und Gefühle.
Viele Menschen haben zum Beispiel große Angst.
Manche Menschen bekommen Panik-Attacken.
Bei einer Panik-Attacke
bekommen Menschen plötzlich große Angst
und können oft schlecht atmen.
Manche Menschen haben auch Depressionen.
Menschen mit Depressionen sind oft
erschöpft und traurig.
Diese Behinderungen sieht man oft nicht sofort.
Männer und Frauen erleben den Krieg oft unterschiedlich.
Viele Männer kämpfen im Krieg.
Deswegen werden besonders viele Männer getötet
oder verletzt.
Frauen erleben häufiger sexualisierte Gewalt.
Das heißt: Sie werden von Soldaten
aus dem Land der Gegner
gegen ihren Willen angefasst oder zum Sex gezwungen.
In der Ukraine haben schon vor dem Krieg
viele Menschen mit Behinderungen gelebt.
Aber viele haben erst durch den Krieg
Behinderungen bekommen.
Der Krieg verändert auch,
wie das Land mit Behinderungen umgeht.
Städte müssen noch barrierefreier werden,
weil nun mehr Menschen Unterstützung,
Arbeit und Geld brauchen.
Wie geht es Menschen mit Behinderungen
in der Ukraine?
Der andererseits-Journalist Max Wochinger
war in der Ukraine.
Er hat mit Menschen mit Behinderungen gesprochen.
Die Menschen erzählen,
– was sich durch den Krieg verändert hat
– welche Hilfe sie bekommen
– welche Hilfe fehlt.
Dmytro Ivanov, 38
— aus Kyiv
„Ich habe früher nie über Behinderte
nachgedacht.
Jetzt habe ich selbst eine Behinderung.“
Dmytro erzählt:
Ich bin Soldat.
2023 habe ich mit 5 Kameraden im Krieg gekämpft.
Russische Soldaten haben auf uns geschossen.
Meine Kameraden sind dabei gestorben.
Ich habe als Einziger überlebt.
Aber mein linkes Bein wurde verletzt.
Ärzt*innen in einem Krankenhaus
konnten mein Leben retten.
Aber sie mussten einen Teil
von meinem verletzten Bein entfernen.
Ich musste um eine Bein-Prothese kämpfen.
Eine Bein-Prothese ist ein Hilfs-Mittel,
das so ähnlich funktioniert wie ein Bein.
Ich musste lernen,
mit der Prothese zu laufen.
Das war sehr anstrengend.
Ich arbeite in einer Einrichtung für verletzte Soldaten.
Sie verstehen mich.
Das ist mir wichtig.
Ivan Grozan, 35
— aus Kyiv
„Russische Soldaten haben mich
3 Mal eingesperrt. Sie haben mich verprügelt und verletzt. Deswegen habe ich jetzt Behinderungen.“
Ivan erzählt:
Ich bin Arzt. Ich bin kein Soldat.
Aber russische Soldaten wollten von mir
Infos über ukrainische Soldaten.
Deswegen haben sie auf meinen Rücken
und meine Beine geschlagen.
Und sie haben mit Strom meine Ohren
und meinen Penis verletzt.
Einmal musste ich zuschauen,
wie russische Soldaten andere Gefangene
erschossen haben.
Mein linkes Bein ist wegen der Schläge jetzt kürzer
als das rechte.
Gehen und Sitzen tut weh.
Ich habe oft große Angst und schlafe schlecht.
Ich denke auch oft: Ich möchte nicht mehr leben.
Ich bin in Psycho-Therapie.
Das heißt: Ich spreche mit einer Fach-Person
über meine Gefühle und Probleme.
Viele Menschen brauchen Psycho-Therapie.
Aber es gibt zu wenige Plätze für Psycho-Therapie.
Die Regierung muss sich um mehr Plätze kümmern.
Mykola Maztynov, 38
— aus Kyiv
„Ich habe durch den Krieg alles verloren:
Meine Gesundheit, meine Arbeit, mein Geld.
Der Staat hat mir nur wenig geholfen.
Aber viele Menschen sind hilfsbereit.“
Mykola erzählt:
2025 gab es einen russischen Raketen-Angriff.
Meine Familie und ich sind aus dem Haus gelaufen.
Dann ist eine Rakete in unser Haus eingeschlagen.
Wir wurden 10 Meter durch die Luft geschleudert.
Zum Glück ist meinem Baby nichts passiert.
Aber andere Menschen sind gestorben.
Ich höre seit der Explosion fast nichts mehr.
Bei der Explosion wurde auch
mein linkes Bein verletzt.
Ich kann nicht mehr stehen und brauche eine Krücke.
Für den Behinderten-Ausweis
musste ich mehr als 20 Dokumente zeigen.
Ich musste dafür mehr als 2 Monate
zu Krankenhäusern gehen.
Das fühlt sich unmenschlich an.
Aber ich finde:
Die Gesellschaft in der Ukraine hat sich verbessert.
Menschen bieten mir in der Bahn ihre Sitze an.
Und sie helfen mir,
wenn ich die Ansage aus dem Lautsprecher
nicht verstehe.
Fragen von
Max Wochinger
Mitarbeit von
Johannes Scheucher
Fotos von
Max Wochinger
in leichter sprache von
Constanze Busch
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