„Gesundheit hängt auch vom Geld ab“

Die Autorin Miriam Davoudvandi im Gespräch über Geld und psychische Gesundheit
Eine junge Frau schaut mit leichten freundlichen Blick in die Kamera. Sie hat dunkelbraune glatte Haare und dunkelbraune Augen. Sie trägt eine weiße Felljacke.

Geschrieben von

Miriam Davoudvandi ist Journalistin und Autorin.

Sie ist in einer armen Familie aufgewachsen.

Seit ihrer Jugend lebt sie mit Depressionen.

Depressionen sind eine psychische Krankheit.

Bei psychischen Krankheiten

geht es um die Gedanken und Gefühle.
Wir haben mit Miriam Davoudvandi darüber gesprochen, wie Armut und psychische Krankheiten zusammenhängen und was sie sich von der Politik wünscht.

Sandra Schmidhofer:
Wann hast Du gemerkt,

dass Du Depressionen hast?

Eine junge Frau schaut mit leichten freundlichen Blick in die Kamera. Sie hat dunkelbraune glatte Haare und dunkelbraune Augen. Sie trägt eine weiße Felljacke.

Miriam Davoudvandi:
Als ich ungefähr 12 oder 13 war,
ging es mir sehr schlecht.
Ich wusste:

Irgendwas stimmt nicht.

Heute weiß ich: Das war eine Depression. Damals hat aber keiner hingeschaut
und das erkannt.

Menschen mit Depressionen
können eine Therapie machen.
Das heißt:
mit Fach-Leuten über Probleme sprechen und Lösungen suchen.

War Therapie eine Möglichkeit

in Deiner Familie?

Eine junge Frau schaut mit leichten freundlichen Blick in die Kamera. Sie hat dunkelbraune glatte Haare und dunkelbraune Augen. Sie trägt eine weiße Felljacke.

Nein. Ich bin auf dem Land aufgewachsen. Dort gab es kaum Therapeut*innen. Außerdem haben viele Menschen damals schlecht über Therapie gedacht.

Noch schlechter als heute.

Deswegen habe ich erst

mit über 20 eine Therapie gemacht.

Was wünschst Du Dir:
Was soll sich in Deutschland verändern, wenn es um psychische

Gesundheit geht?

Eine junge Frau schaut mit leichten freundlichen Blick in die Kamera. Sie hat dunkelbraune glatte Haare und dunkelbraune Augen. Sie trägt eine weiße Felljacke.

Psychische Gesundheit hängt

sehr von Geld ab.

Nicht nur davon,
wie viel Geld Menschen selbst für ihr Leben haben.

Sondern auch davon,

wie viel Geld der Staat für Hilfe ausgibt. Deswegen finde ich es schlimm,
dass so viel Geld gespart wird.
Zum Beispiel,

dass Hilfe-Einrichtungen

geschlossen werden.

Mein Wunsch ist: Der Staat soll mehr Geld ausgeben für Unterstützung und Therapie-Angebote.

Du bist in einer Familie aufgewachsen, die nie viel Geld hatte.
Was macht Armut mit dem Körper,
mit den Gedanken und mit den Gefühlen?

Eine junge Frau schaut mit leichten freundlichen Blick in die Kamera. Sie hat dunkelbraune glatte Haare und dunkelbraune Augen. Sie trägt eine weiße Felljacke.

Armut bedeutet Dauer-Stress.
Und Stress ist schlecht für den Körper,
die Gedanken und die Gefühle.
Arme Menschen haben Angst,
wie sie im nächsten Monat

alles bezahlen sollen.

Außerdem denken arme Menschen
oft schlecht über sich.
Sie haben oft keine Träume für ihr Leben.
Sie merken oft:

Auch wenn sie mehr arbeiten,

bleiben sie arm.
Dann fühlen sie sich ohne Hoffnung.
Deswegen wundert es mich nicht,
dass Depressionen auch von Armut
kommen können.

Ist es für Menschen in Armut auch schwieriger, sich Hilfe zu holen?

Eine junge Frau schaut mit leichten freundlichen Blick in die Kamera. Sie hat dunkelbraune glatte Haare und dunkelbraune Augen. Sie trägt eine weiße Felljacke.

Ja. Menschen brauchen oft Geld und Zeit, um sich Hilfe zu holen.
Oder um gut für ihre psychische Gesundheit zu sorgen,

damit sie nicht krank werden.

Viele Menschen in Armut können sich

nie entspannen.
Zum Beispiel weil sie 2 oder 3 Jobs haben
und dauernd arbeiten müssen.
Außerdem gibt es viele Vorurteile
über arme Menschen.
Ein Vorurteil ist:

Arme Menschen sind faul und selbst schuld an ihrer Armut und an Krankheiten. Aber das stimmt nicht.

Du bist in einer nicht-deutschen Familie
in Deutschland aufgewachsen.
Das nennt man auch:

Migrations-Hintergrund.
Dein Vater ist Iraner,
Deine Mutter kommt aus Rumänien.
Du bist auch in Rumänien geboren.
Hattest Du das Gefühl,
dass Du Dich deshalb besonders anstrengen musst?

Eine junge Frau schaut mit leichten freundlichen Blick in die Kamera. Sie hat dunkelbraune glatte Haare und dunkelbraune Augen. Sie trägt eine weiße Felljacke.

Ja, total.
Viele Menschen in Deutschland glauben: Menschen mit Migrations-Hintergrund sollen es sich verdienen,
dass sie in Deutschland leben dürfen.

 

Viele Menschen glauben auch:

Man muss sich nur anstrengen,

um viel zu leisten.Aber das ist für Menschen mit psychischen Krankheiten sehr schwer.

Was hat Dir als Jugendliche geholfen, wenn es Dir schlecht ging?
Und was hilft Dir heute?

Eine junge Frau schaut mit leichten freundlichen Blick in die Kamera. Sie hat dunkelbraune glatte Haare und dunkelbraune Augen. Sie trägt eine weiße Felljacke.

Ich höre schon immer viel Rap-Musik.
In Rap-Musik konnte ich mich gut wiederfinden.

Es ging um das Leben
von migrantischen Personen in Deutschland.
In Rap-Musik haben migrantische Personen auf besondere Art über ihre Gefühle gesprochen.

Es war eine Sprache,

die ich verstanden habe.

Von Menschen,

die geredet haben wie ich.

 

Wenn es mir schlecht geht,
überlege ich auch:
Habe ich genug gegessen,
genug getrunken und genug geschlafen? Und habe ich andere Menschen getroffen oder mit jemandem geredet?

Das hilft mir auch.

Miriam Davoudvandi hat ein Buch über ihr Aufwachsen in Armut geschrieben. Das Buch heißt: Das können wir uns nicht leisten.

Fragen von 

Sandra Schmidhofer

Fotografiert von

Marie Häfner

In Leichter Sprache von

Constanze Busch

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