Gute Ideen

Erfindungen für mehr Barriere-Freiheit helfen allen Menschen
Die Illustration zeigt eine Kreuzung. Darauf fahren Fahrräder, Autos, und eine Person im Rollstuhl.

Geschrieben von

Inklusion und Barriere-Freiheit

helfen allen Menschen.
Das sieht man an
vielen bekannten Erfindungen:

Sie wurden für Menschen

mit Behinderungen entwickelt und sind inzwischen
für viele Menschen unverzichtbar.

Wir zeigen euch 4 Beispiele.

1. Der abgesenkte Bordstein

Wer mit dem Rad unterwegs ist oder einen Kinder-Wagen schiebt, sucht am Geh-Weg die Stelle mit dem abgesenkten Bordstein. Das fühlt sich ganz selbstverständlich an. Dabei gibt es für diese Stelle eigentlich einen anderen Grund: Barriere-Freiheit.

Rollstuhl-Nutzer*innen haben sich dafür eingesetzt, vor allem Edward Roberts aus den USA. Er hat vor ungefähr 50 Jahren mit der Behin- derten-Rechts-Bewegung für mehr Inklusion gekämpft. Zum Beispiel

für abgesenkte Bordstein-Kanten, damit Menschen mit Rollstuhl bes- ser Straßen überqueren können.

Viele Dinge wurden für und von Menschen mit Behinderungen erfunden und bringen jetzt für viele Menschen Vorteile. Dafür gibt es einen Namen: Curb Cut Effekt. Curb Cut ist Englisch und heißt: abgesenkte Bordstein-Kante. Die Meinung von Edward Roberts wurde sehr wichtig in der Behin- derten-Rechts-Bewegung: Nicht die Behinderung ist das Problem, sondern die Umwelt.

Die Illustration zeigt eine Hand, die eine elektrische Zahnbürste nach oben hält. Der Hintergrrund ist orange.

2. Die elektrische Zahnbürste

Die elektrische Zahnbürste wurde vor ungefähr 70 Jahren in der Schweiz erfunden. Zahnärzt*innen haben sie zuerst nur Patient*innen empfohlen, die Schwierigkeiten mit der Bewegung ihrer Finger und Hände haben. Das können ältere Menschen sein, Menschen mit Behinderungen oder Menschen, die gerade eine Operation hatten. Damals war sie ein medizinisches Hilfs-Mittel. Erst viele Jahrzehnte später ist sie zum Alltags-Gegenstand geworden. 

Inzwischen nutzt ungefähr die Hälfte der Menschen in Deutschland und Österreich elektrische Zahnbürsten. Das hat viele Vorteile: Man muss sich weniger anstrengen, weil die Zahn- bürste viele Bewegungen ganz allein macht. Die Zähne werden mit einer elektrischen Zahnbürste oft besser sauber als mit einer Hand- Zahnbürste. Und man weiß ohne Uhr, wann man fertig ist mit Putzen. Auch wer sie nicht für die Barriere- Freiheit braucht, kann sich damit den Alltag einfacher machen.

Die Illustration zeigt eine Person, die sich ein offenes Buch an das Ohr hält.

3. Hör-Bücher

Die ersten Schall-Platten spielten keine Musik ab, sondern Hör- Bücher für blinde und seh-behin- derte Menschen. Diese Idee hieß „Talking Books“. Das ist Englisch und bedeutet: Sprechende Bücher. Vor fast 100 Jahren haben Biblio- theken in den USA zusammen mit Organisationen von blinden und seh-behinderten Menschen die ersten Hör-Bücher aufgenom- men. Die taub-blinde Aktivistin Helen Keller verbreitete die Idee der „Talking Books“.

Sie setzte sich dafür ein, dass damit alle Menschen Zugang zu Büchern bekommen. Mit der Zeit haben auch nicht-behinderte Menschen die Vorteile von Hör-Büchern entdeckt: Gleichzeitig ein Buch hören und spazieren gehen, Auto fahren oder putzen. Oder ein Buch hören und dabei einschlafen. Außerdem können Hör-Bücher vielen Menschen helfen, die sich nicht gut auf das Lesen konzentrieren können. Barriere-Freiheit für alle eben.

DIe Illustration zeigt eine Person, die vor einem Fernseher sitzt. Der Fernseher zeigt eine Frau, die telefoniert. Darunter steht als Untertitel: "Keine Ahnung."

4. Untertitel

Stell Dir vor: Du sitzt in der U-Bahn und hast Deine Kopfhörer ver- gessen. Heute ist das selten ein Problem. In den Sozialen Medien gibt es bei den meisten Videos Untertitel. Viele Menschen wissen nicht, dass Untertitel eigentlich für etwas anderes erfunden wurden. Untertitel sollten mehr Teilhabe ermöglichen: Menschen mit Hör- Behinderungen können Filme und Serien anschauen und dabei auf dem Fernseher lesen, was gesprochen wird.

Inzwischen helfen Untertitel noch viel mehr Menschen: Manche Filme gibt es nur in einer fremden Sprache. Wer diese Filme schauen will, freut sich über die Übersetzung in den Untertiteln. Oder man liest die Untertitel in der fremden Sprache mit und lernt so eine neue Sprache beim Fernsehen.

Wir haben uns alle daran gewöhnt, dass das möglich ist. Zu verdan- ken haben wir es einigen wenigen Menschen, die für mehr Barriere- Freiheit gekämpft haben.

Geschrieben Von

Luise Jäger

und von 

Kristina Kobl

In Einfacher Sprache von

Constanze Busch

Gezeichnet von

Anna Gusella