Im März wird in Zürich
in der Schweiz ein neuer Gemeinde-Rat gewählt.
Der Gemeinde-Rat macht Gesetze und Regeln
für die Stadt Zürich.
Zum ersten Mal wird vielleicht ein Mann gewählt,
der mit Lern-Schwierigkeiten lebt.
Der Mann heißt Kevin Rauch.
Was will er verändern?
Nikolai Prodöhl:
Herr Rauch, warum wollen Sie
in den Gemeinde-Rat gewählt werden?
Kevin Rauch:
Ich habe mich schon immer für Politik interessiert.
Politik heißt:
Regeln für das Zusammen-Leben machen.
Und ich habe mich schon immer geärgert,
weil Menschen mit Behinderungen
wenig selbst bestimmen können.
Deshalb kümmere ich mich
bei der Sozial-Demokratischen
Partei in Zürich um Inklusion.
Eine Partei ist eine Gruppe in der Politik.
Ich finde:
Der Gemeinde-Rat Zürich
soll inklusiver werden.
Deswegen möchte ich jetzt
mitreden und mitbestimmen.
Ich habe viele Ideen.
Ich brauche nur manchmal
mehr Unterstützung als andere.
Kristina Kobl:
Wo gibt es Hürden
bei der Arbeit in der Politik?
Es gibt in der Politik
fast keine einfache Sprache.
Wenn ich gewählt werde,
übersetzt meine Assistenz-Person für mich die Texte in einfache Sprache.
Assistenz heißt:
Personen unterstützen mich
bei der Arbeit und im Alltag.
Meine Assistenz-Person vereinfacht auch,
was in den Sitzungen vom Gemeinde-Rat gesagt wird.
Ich will erreichen,
dass alle Politiker*innen in den Sitzungen
in einfacher Sprache sprechen.
Dann können viel mehr Menschen
sie verstehen.
Warum ist es so schwer,
Inklusion in der Politik zu erreichen?
Menschen haben viele Vor-Urteile.
Ich glaube:
Viele Menschen nehmen mich
als Politiker mit Behinderungen nicht ernst. Sie sagen:
Mit dem kann man gar nicht richtig reden. Außerdem ist Inklusion ja überall schwer. Nicht nur in der Politik.
Die Schweiz hat die UN-Behinderten-Rechts-Konvention unterschrieben.
Genau wie Deutschland und Österreich. Die UN-Behinderten-Rechts-Konvention ist ein Vertrag über die Rechte
von Menschen mit Behinderungen. Eigentlich muss es wegen dem Vertrag schon viel mehr Inklusion geben.
Aber vieles geht sehr langsam.
Das ärgert mich.
Was wollen Sie für Menschen mit Behinderungen verbessern?
Ich will dafür sorgen,
dass alle Busse und Straßen-Bahnen
in Zürich barriere-frei sind.
Und ich will mich für gutes Wohnen
für alle Menschen einsetzen.
Zum Beispiel für mehr Wohnungen,
die alle Menschen gut bezahlen können. Menschen mit Behinderungen
sollen mehr Geld-Unterstützung
fürs Wohnen bekommen.
Es sollen mehr barriere-freie Wohnungen
gebaut werden für Rollstuhl-Nutzer*innen.
Und es soll einfacher werden,
dass Menschen von einem Heim
in eine eigene Wohnung umziehen können.
Jeder Mensch soll so viel Unterstützung
und Geld bekommen,
wie er braucht.
Nicht nur Menschen mit Behinderungen,
sondern zum Beispiel auch geflüchtete Menschen.
Was wollen Sie sonst noch verändern, wenn Sie gewählt werden?
Mehr Menschen sollen
auf dem ersten Arbeits-Markt arbeiten.
Also in einer Firma,
nicht in einer Werkstatt
für Menschen mit Behinderungen.
Die Arbeit in Werkstätten ist
nicht gerecht bezahlt.
Das ist gegen die
UN-Behinderten-Rechts-Konvention.
Ich arbeite zum Beispiel als Küchen-Hilfe
in einem Restaurant.
Aber mein Job gehört zu einer Werkstatt.
Das möchte ich nicht mehr.
Ich möchte mit meiner Arbeit
in der Politik Geld verdienen.
Bisher arbeite ich in der Politik
ehren-amtlich.
Das heißt: Ich bekomme dafür kein Geld.
Ich will nicht nur für Menschen
mit Lern-Schwierigkeiten Politik machen.
Es gibt zum Beispiel auch
viele andere unsichtbare Behinderungen.
An die will ich auch denken.
Was wünschen Sie sich für Ihre Zukunft in der Politik?
Ich hoffe,
dass ich im März in den Gemeinde-Rat
von Zürich gewählt werde.
Dann werde ich
für mehr Inklusion kämpfen.
Ich habe viel vor.
Ich weiß noch nicht,
wie ich das alles schaffen kann.
Aber es ist sehr wichtig,
dass wir Menschen mit Behinderungen mitbestimmen können.
Da mache ich jetzt mal den Anfang.
Ich hoffe,
dass nach mir
auch andere Menschen
mit Lern-Schwierigkeiten
in die Politik gehen.
Fragen von
Nikolai Prodöhl
und von
Kristina Kobl
Fotografiert von
Julia Ishac
In Leichter Sprache von
Constanze Busch
Redaktion
Lisa Kreutzer
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